Oh Du Fröhliche…

Wie jetzt? Nein, ich habe Weihnachten nicht verpasst! Ich habe es sogar sehr genossen und ausgiebig mit mir gefeiert… Ja, Du hast richtig gelesen. Mit mir. Alleine.

Viele Menschen bemitleiden mich, wenn sie erfahren, dass ich alleine Weihnachten gefeiert habe. Dabei gibt es da so gar nichts zu bemitleiden, es ist schließlich meine Entscheidung, dass ich nun schon seit ein paar Jahren den Großteil der Weihnachtstage alleine verbringe, naja, nicht ganz alleine. Meine Hunde leisten mir natürlich Gesellschaft ;-).

Und wenn ich dann erzähle, wie gemütlich ich es mir gemacht und wofür ich mir Zeit genommen habe, erlebe ich es nicht selten, dass das Mitleid in Neid umschwenkt ;-). Wie viele Menschen hetzen noch bis zum letzten Vorweihnachtstag durch die Adventszeit, um dann völlig gestresst und unentspannt von einer Familienfeier zur Nächsten zu rasen.

Für mich zählt an Weihnachten noch die eigentliche Bedeutung dieses Festes. Und daher habe ich mich irgendwann dafür entschieden, es auf meine Weise zu begehen. Ich weiß, dass es meiner Mutter die ersten Jahre schwer fiel, mich an Heiligabend nicht bei sich zu haben und alleine zu Hause zu wissen. Doch für mich war und ist es jedes Jahr wieder die richtige Entscheidung.

Am späten Nachmittag nehme ich mit den Hunden an der Weihnachtswanderung bei uns im Ort statt. Die Kinder des Dorfes verkleiden sich als Engel und Hirten, Maria und Josef sowie ein Esel sind auch dabei und so wandern wir von Station zu Station, hören die Weihnachtsgeschichte, singen Lieder und versammeln uns schließlich an der aufgebauten Krippe am alten Bahndamm. So eine schöne Tradition, die ich als Einstimmung immer sehr genieße und einfach diese Stimmung in mich aufsauge, mit all den Laternen, die uns auf dem Weg zur Krippe begleiten.

Im Anschluss koche ich mir dann etwas leckeres zu Essen und sitze bei Kerzenschein vor dem Kamin und genieße, lasse meine Gedanken schweifen… Und dann nehme ich mir Zeit zurückzuschauen. Wie war das vergangene Jahr? Ich schreibe all das auf, wofür ich dankbar bin und bin jedes Mal wieder erfüllt, noch einmal bewusst festzuhalten, wie gut es mir geht und was für ein wundervolles Leben ich habe. Und dann öffne ich einen Brief, den ich am Heiligabend des Vorjahres geschrieben und in meiner Schublade verwahrt habe und darf feststellen, dass fast alles, was ich mir für das neue Jahr vorgenommen hatte, in Erfüllung gegangen ist. Und dann schreibe ich voller Vorfreude einen neuen Brief mit meinen Wünschen und Zielen für das neue Jahr, der dann verschlossen wieder in die Schublade wandert, bis zum nächsten Heiligabend :-).

So feiere ich Weihnachten. Und in diesem Jahr habe ich mir auch die Tage nach Weihnachten noch viel Zeit genommen, zum Ausruhen und Entspannen, aber auch für dankbare Rückschau und freudige Vorschau :-). Für mich der perfekte Jahresausklang!

Warum schreibe ich Dir hier über mein Weihnachten?

Vielleicht als Inspiration, vor allem aber mit einer Frage: Begehst Du das Weihnachtsfest nach Deinen Wünschen und gestaltest Du Deinen Jahresausklang so wie es Dir gut tut? Oder feierst Du so, wie es schon immer war, weil es immer so war? Lässt Du Dich verplanen für den Verwandtschaftsmarathon, der Dir schon vor der Gans schwer im Magen liegt?

Vielleicht liebst Du den Familientrubel an den Feiertagen, dann genieße es! Doch wenn Du schon am ersten Advent daran denkst, dass Du Weihnachten viel lieber so verbringen würdest, wie es sich für Dich gut anfühlt und doch jedes Jahr wieder das große Theater mitmachst, um die Erwartungen Deiner Eltern, Deines Partners oder Deiner Kinder zu erfüllen, dann ist vielleicht genau jetzt ein guter Zeitpunkt, darüber nachzudenken, wie Dein Jahresausklang in diesem Jahr für Dich perfekt wäre. Und wenn es bedeutet, dass Du alleine, nur mit Deinem Partner oder statt mit Familie lieber mit Freunden feiern würdest, dann nutze die nächsten 11 Monate, um Pläne zu schmieden und Deine Familie langsam darauf vorzubereiten, dass Du für das kommende Weihnachtsfest andere Pläne hast…

Ich bin überzeugt, dass viel Streit und Stress, der in vielen Familien an Weihnachten herrscht, gar keinen Raum hätte, wenn wir alle uns ein Stück mehr auf das Besinnen, was Weihnachten eigentlich ist und uns darauf einlassen, dieses Fest so zu feiern, wie es uns persönlich gut tut.

Und wer weiß, vielleicht kommt bei einem Gespräch sogar heraus, dass alle nur so Weihnachten feiern, weil jeder denkt, dass der andere es so erwartet…

Und was für Weihnachten gilt, gilt natürlich für das ganze Jahr ;-).

Lebe Dein Leben und mache Dich frei von den Erwartungen anderer Menschen, denn Dein Leben lebst nur Du!

Alles Liebe, bleib fröhlich,

Deine Ela

Einfach mal machen – wenn eine Idee Wirklichkeit wird…

Letzte Woche Sonntag auf dem Heimweg von Österreich ging mir ein Gedanke nicht mehr aus dem Kopf. Auf dem Seminar, das ich besucht hatte, sagte eine andere Teilnehmerin am letzten Tag zu mir, sie würde mich gerne mit nach Hause nehmen, damit ich sie immer daran erinnere, den nächsten Schritt zu gehen und aufpasse, dass sie sich nicht von ihren komischen Glaubenssätzen davon abhalten lässt, ihren Weg zu gehen. 

Auf dem Heimweg hatte ich auf einmal eine Idee! Ich würde Ihr einen Kalender erstellen! Mit schönen Fotos (wie viele tolle Aufnahmen ich in den letzten Jahren gemacht habe, wurde mich beim Durchstöbern meines Bildarchivs erst wieder richtig bewusst) und motivierenden, inspirierenden und ermutigenden Sprüchen, den sie sich zu Hause auf den Schreibtisch oder ihre Fensterbank stellen kann. Am nächsten Tag verfeinerte sich die Idee, es sollte kein einfacher Kalender sein, sondern ein Postkartenkalender, denn so könnte sie nach dem jeweiligen Monat die Karte nehmen, sie aufhängen, weitergeben oder verschicken, um andere Menschen eine Freude und Mut zu machen. Auf einen Schlag war ich begeistert von der Idee, dass mit diesem Kalender Mut und Lebensfreude in die Welt getragen wird :-D. Und ruck zuck war die Idee geboren, den Kalender nicht nur einmal auszudrucken, sondern eine größere Auflage drucken zu lassen, damit noch viel mehr Menschen durch diese ermutigenden Botschaften inspiriert und motiviert werden…

Es gab ein paar Stolpersteine auf dem Weg zum fertigen Produkt, doch ich habe mich davon nicht abhalten lassen und meine Idee Schritt für Schritt umgesetzt. Und nur fünf Tage nach der ersten Idee ist der Kalender gestern in den Druck gegangen :-).

Natürlich hatte ich zwischendurch auch so komische Gedanken, ob das denn überhaupt funktionieren kann, ob überhaupt jemand Interesse an meinem Produkt haben wird… Ganz kurz habe ich sogar überlegt, ob ich es auf nächstes Jahr verschiebe, um mehr Zeit für die ‚Werbung‘ zu haben… Doch das sind nur blöde Gedanken von meinem Verstand, denn Herz und Bauch haben gesagt -> MACHEN! Und zum Glück glaube ich ja nicht alles was ich denke ;-)!

Und ich habe etwas Wichtiges gelernt: Mein Perfektionismus steht mir häufig im Weg, dieses Mal hatte ich einfach keine Zeit für ihn und das Ergebnis ist auch ohne ihn ziemlich passabel geworden. Ich sollte ihn viel öfter ignorieren, das ist viel entspannter ;-)!

Nun gibt es also ganz spontan den ersten Freudenmeer-Postkarten-Kalender!

Heute vormittag habe ich die liebe Ina Meyer, Business-Coach aus dem Alten Land, bei der ich regelmäßig im We-Work-Together dabei sein darf, gefragt, ob ich in den Flyer in ihrer Gruppe teilen darf, da der Grundstock des Kalenders am vergangenen Dienstag im We-Work-Together entstanden ist. Ina hat meine Anfrage direkt zum Anlass genommen und um ein Interview mit mir gebeten. Ich bin ganz begeistert! Eine bessere Werbung hätte ich mir nicht wünschen können!

Details zum Kalender erfahrt Ihr im Flyer, den ich heute morgen noch mal eben spontan erstellt habe, inkl. einer Vorschau, Bestellungen gerne an info@freudenmeer.de! 

Alles Liebe, bleibt fröhlich,

Eure Ela

P.S. Ist auch ein tolles Weihnachtsgeschenk ;-)!

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Humor ist, wenn man trotzdem lacht :-)!

Mit mir wird es garantiert NIE langweilig!

Für den Fall, dass jemand daran zweifeln sollte, stelle ich das gerne immer wieder unter Beweis! 

Am Sonntag nahm ich mit meinen Hundemädels an einer Hundewanderung durch den wunderschönen herbstlichen Sachsenwald teil. Kleine Hindernisse und Unwegsamkeiten halten mich ja grundsätzlich nicht ab. 

So nahm ich selbstverständlich auch eine ordentliche Steigung gelassen in Angriff. Das sollte kein Problem sein, schließlich bin ich auch gerne auf unserem heimischen Brunsberg unterwegs, der ja auch eine Menge Steigungen auf dem Weg zum Gipfel bereit hält. 

Nun, mein Rolli hatte offenbar andere Pläne. Mitten auf dem Hang verweigerte er den Dienst, die Räder blockierten, es ging nicht vor und nicht zurück. Ich blieb recht gelassen, denn üblicherweise hält seine Sturheit nicht lange an, ein paar Sekunden den Motor abschalten wirkt da da Wunder… 

An diesem Tag leider nicht… Ich entschied mich schließlich meinen ‚Esel‘ zu verlassen, um mir das ganze mal etwas genauer anzuschauen. Ich saß dann neben meinem Rolli, der von einigen fleißigen Helfern gesichert wurde und entschied mich, den blockierten Reifen abzubauen und dann wieder aufzustecken und war mir ziemlich sicher, dann würde es wieder funktionieren. 

Doch mein Rolli blieb stur… Um den Stau nicht noch durch den halben Sachsenwald anwachsen zu lassen (mittlerweile standen nicht nur die 30 Hunde samt Zweibeinern aus unserer Gruppe hinter mir, sondern auch eine Reihe weiterer Spaziergänger, denen ich den Weg versperrte) entschied ich, dass der Rolli erstmal aus dem Weg musste und bat meine Mitwanderer darum, ihn mit vereinten Kräften den Berg hochzubringen. Nun robbte ich noch auf meinem Popo hinterher und ich war zumindest kein Hindernis.

Wir schickten einen großen Teil der Truppe weiter. Ich wollte in Ruhe schauen, wie sich das Problem lösen lassen konnte. Ich war so froh, dass ich nicht allein im Wald unterwegs gewesen war und in diesem Moment so tolle Menschen um mich herum hatte, die mit mir zusammen den Rolli komplett auseinander bauten, auf Fehlersuche gingen und nicht aufgaben, das Gefährt wieder zum Laufen zu bekommen. 

Mittlerweile überlegten wir dann schon mal Alternativen, wie ich aus dem Wald herauskommen könnte, doch ich wollte einfach nicht aufgeben. Ich schickte ein Stoßgebet gen Himmel… 

Und siehe da, eine Verzweiflungstat überzeugte den Rolli schließlich. Er war wohl überfordert, dass sämtliche Griffe und Knöpfe gleichzeitig gedrückt wurden und gab seinen Widerstand auf!

Bis zum Auto hielt er, unterbrochen von kurzen Meutereien, durch! Als ich sicher im Auto und in der Nähe meines Aktiv-Rollstuhls war, segnete er dann das zeitliche. 

Ich bin so dankbar, dass ich so tolle Menschen bei mir hatte, die sich selbstverständlich mit mir die Hände schmutzig gemacht haben! Danke an Dodo, Heike, Torsten und Sebastian für Eure Unterstützung und ganz besonders dafür, dass Ihr nicht aufgegeben und mit mir die gute Laune bewahrt habt. 

Ich habe mir mit dem Unterhaltungsprogramm für unseren Hundespaziergang mal wieder richtig große Mühe gegeben und jedem der gezweifelt hat, eindrucksvoll bewiesen, dass es mit mir garantiert nie langweilig wird! 

Mein Fazit: Humor ist, wenn man trotzdem lacht!

Und wer jetzt denkt, ich verzichte künftig auf Ausflüge dieser Art, der hat mich noch nicht kennen gelernt ;-)!

Alles Liebe, Eure Ela

 

Einfach mal machen, könnte ja unvergesslich werden!

Ich liebe es, neue Dinge zu erleben, kennen zu lernen und zu erfahren, auch wenn es manchmal einen riesigen Schritt raus aus meiner Komfortzone bedeutet. Oder vielleicht gerade deswegen?

Natürlich reizt es mich herauszufinden, wo die wirklichen Grenzen liegen, nicht die Grenzen, die in den Köpfen vieler Menschen herumwandern. Für mich gibt es die schon lange nicht mehr und ich sammle stetig und liebend gerne Beweise dafür, dass (fast) alles möglich ist!

Bei einem gemütlichen Frühstück mit Freunden entstand spontan die Idee, dass wir  zusammen wandern gehen! Meine Freunde sind zum Glück genauso verrückt wie ich und hatten richtig Laune auf das Abenteuer. Unsere Wahl fiel auf den Harz (wenn wandern, dann richtig, mit Bergen und so ;-)). 

Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Kontakt mit der Vermieterin einer Ferienwohnung, die wir gerne für unseren Wochenendtrip buchen wollten. Ihre Wohnung war nun auch nicht wirklich rolligeeignet, doch mit der Unterstützung meiner Freunde würde es für zwei Nächte sicher funktionieren. Es waren durchaus Überzeugungskünste gefragt, damit sie uns ihre Wohnung vermietete ;-). Schließlich ließ sie sich auf das Abenteuer mit uns ein und ich weiß, dass sie es letztendlich nicht bereut hat :-). 

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Mit York hatten wir einen erfahrenen Wanderer dabei, der für uns eine Tour auswählte. Wir entschieden uns für eine ruhigere Ecke des Harzes, in der wir weitab vom Massentourismus der beliebten und bekannten Wege und Attraktionen gemütlich und entspannt die wundervolle Natur genießen konnten. Unsere Wanderung startete von unserer Unterkunft aus und führte uns zur Carlshaushöhe südwestlich von Hasselfelde. 

Dass es durchaus Vorteile hat, mit jemandem im Rolli zu wandern, stellte sich schnell heraus, denn mein E-Rolli transportierte nicht nur mich, sondern fungierte auch als ‚Packesel‘, so dass alle anderen mit leichtem Gepäck unterwegs sein konnten. 

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Bei wunderbarem Wetter genossen wir es, mit unseren Hunden zusammen unterwegs zu sein. Mir erschien es zu Beginn fast ein bisschen langweilig, waren die Wege doch alle richtig gut befestigt und leicht zu passieren. Glücklicherweise haben wir an einer Stelle die falsche Abzweigung gewählt, so dass ich dann doch noch meine Komfortzone verlassen und Abenteuer erleben durfte :-D!. Querfeldein durch den Wald und über Wiesen, ach das war wunderbar ;-)! Mein Rolli hat das gut gemeistert und Dank der Unterstützung der besten Wandercrew der Welt habe ich alle Hindernisse überwunden und schließlich die Carlshaushöhe erreicht. 

Nun gab es doch eine Grenze, die nicht zu überwinden war. Die Aussichtsplattform auf dem Carlshausturm war mit über 155 Stufen für mich nicht erreichbar. Doch das tat meiner Freude an diesem Wandererlebnis überhaupt keinen Abbruch. Mit der ganzen Hundeschar wartete ich auf die Bilder von der Aussicht, die meine Freunde mir nach ihrer Turmbesteigung mitbrachten. 

Am Abend kehrten wir nach fast 20 Kilometern Wanderung erschöpft und zufrieden in unsere Unterkunft zurück. Was für ein großartiges Erlebnis! Und wieder eine wunderbare Erfahrung, was alles möglich ist, wenn ich mich traue meine Komfortzone zu verlassen und auf die Unterstützung von tollen Menschen zählen kann. Ich freue mich schon heute auf unser nächstes gemeinsames Abenteuer. 

Bevor wir am nächsten Tag die Heimreise antraten, wollten wir noch ein bisschen ‚Blödsinn‘ machen, irgendetwas aufregendes, spannendes, lustiges, … So landeten wir auf der Sommelrodelbahn in Thale. Auch das war für mich ein Firstie, also etwas, dass ich zum ersten Mal erlebte. Und das hat ja mal richtig Spaß gemacht. Dank der Sitzschale und des Dreipunktgurtes hatte ich sicheren Halt und musste mir keine Sorgen machen, dass ich aufgrund meiner schwachen Rumpfmuskulatur und des defekten Gleichgewichtssinnes herausfallen könnte. Bis ich mich wirklich entspannen und genießen konnte, war die Fahrt allerdings schon fast wieder vorbei ;-). Doch das tat meiner Freude über dieses Firstie keinen Abbruch. Es war der krönende Abschluss eines genialen Wochenendes mit tollen Menschen, die verrückt genug sind, mit mir diese Abenteuer zu wagen. 

Ich habe für mich entdeckt, welch bereichernde Erfahrung das bewusste Erleben von Firsties für mich bedeutet. Wie oft gehen wir gleiche, eingetretene Wege und sind gestresst, wenn mal etwas nicht so läuft wie immer? Oder bekommen gar Panik, wenn eine neue Situation auf uns zukommt? 

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Es ist ungefähr ein Jahr her, da habe ich mich dafür entschieden, bewusst Firsties zu erleben, Dinge zum ersten Mal zu machen. Es können auch Kleinigkeiten sein, einfach mal einen anderen Weg zum Einkaufen nehmen, als den gewohnten oder ein Café besuchen, in dem ich vorher noch nicht war. Für mich darf es hin und wieder natürlich auch etwas mehr Abenteuer sein ;-). Das erleben von Firsties macht etwas mit mir. Ich bin mutiger, aufgeschlossener und deutlich entspannter, wenn mal etwas nicht nach Plan läuft, denn ich weiß, ich werde das meistern! Und ganz nebenbei lerne ich so viele tolle neue Dinge kennen, treffe spannende Menschen und mein Leben ist einfach bunt :-)! 

Mittlerweile sind die Firsties für mich zu einer leidenschaftlichen Challenge geworden. Ich liebe es, diese besonderen Momente zu feiern, auch wenn sie manchmal eine echte Herausforderung bedeuten, wie zum Beispiel ein Fahrt im Riesenrad auf dem Hamburger Dom. Ich habe von Haus aus nicht wirklich Höhenangst, doch durch meinen defekten Gleichgewichtsinn ‚verliere‘ ich mich in der Höhe, kann mich nicht spüren und das ist nicht wirklich angenehm. Doch ich habe mich getraut, hatte eine großartige Unterstützung von zwei lieben Freunden, die mir Händchen gehalten haben. Und ich wurde für meinen Mut belohnt! In dem Moment, wo ich mit dem Riesenrad 60 Meter hoch oben in der Luft war, startete ein Feuerwerk und so hatte ich nicht nur eine extra lange Fahrt, sondern neben der tollen Aussicht auf den beleuchteten Hamburger Hafen und das sich nach einem Spiel gerade leerende Millerntorstadion, auch noch ein großartiges Feuerwerk am Himmel. 

Ich habe in diesem Jahr schon eine ganze Menge Firsties ‚gesammelt‘ und ich bin mir sicher, es kommen noch eine ganze Menge dazu. Ihr könnt sicher sein, ich werde hier und/oder auf meiner Facebook-Seite ‚Freudenmeer‘ darüber berichten. Da werde ich Euch ganz sicher in nächster Zeit auch immer mal per Live-Video an meinen Firsties teilhaben lassen. Ihr dürft gespannt sein! Ich habe noch viel vor ;-)! Und wer eine tolle Idee hat, was ein spannendes Firstie für mich sein könnte, der darf mich gerne dazu einladen :-)! 

Wann hast Du zum letzten Mal etwas zum ersten Mal getan? Berichte gerne in den Kommentaren. Ganz sicher kannst Du eine Inspiration für andere Menschen sein!

Firsties machen mutig und stark, stärken Dein Selbstbewusstsein und schenken Lebensfreude. 

Und denkt immer dran: Es muss im Leben nicht alles einen Sinn ergeben, oft reicht es schon, wenn es Spass macht :-)!

Bleibt fröhlich! 

Alles Liebe, Eure Ela

P.S. Wer gerne ein paar schöne Tage im Harz verbringen möchte, dem empfehle ich sehr gerne die Ferienwohnung von der lieben Melissa Himstedt, die gerade in diesem Jahr mit viel Liebe renoviert und neu eingerichtet wurde. Dort seid Ihr auch mit mehreren Hunde herzlich willkommen (ohne Hunde natürlich auch ;-)). Melissa ist wirklich eine außergewöhnliche Vermieterin, die mit ganz viel Herz und Engagement für ihre Gäste da ist, ohne dabei aufdringlich zu sein!

www.hexenpfote-harz.de & http://www.fewo-lilly-harz.de

Wer ins kalte Wasser springt, taucht ein ins Meer der Möglichkeiten…

Eine der ersten und auch prägendsten Erfahrungen in meinem Leben auf vier Rädern war definitiv das Tauchen. Nicht lange nach dem der Rollstuhl mein neuer Lebensgefährte geworden war, machte ich meinen Tauchschein. Ich empfinde es nach wie vor als ein großes Geschenk, dass ich damals Magdi und Martina fand, die in Lüneburg ihre Tauchschule betrieben. Keine spezielle Tauchschule, aber eine besondere :-)! Eine Tauchschule, in der JEDER Mensch herzlich willkommen war – ob mit oder ohne Handicap. Und noch mehr als das, im Lünedive wurde Inklusion gelebt, noch lange bevor es dieses Wort überhaupt gab ;-).

Nach meinen ersten Tauchgängen  im Schwimmbad mit Magdi und seinem Schwiegervater Werner, bei denen ich mich an das Atmen unter Wasser gewöhnte und den Umgang mit dem Tauchgerät erlernte, hatte es mich schon bald gepackt. Diese Schwerelosigkeit unter Wasser zu erleben, war einfach großartig. Ein ganz neues Lebensgefühl! Saß ich doch im Alltag den ganzen Tag in einer Position, genoß ich nun das Schweben, ein unbeschreibliches Gefühl von Leichtigkeit. Unter Wasser hatte mein Handicap auf einmal keine Bedeutung mehr. Und da ich ja von Kindheit an ein absoluter Wasserfan bin, hatte ich mit dem Tauchen meine neue Leidenschaft entdeckt. 

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Nach meinen ersten Freiwassertauchgängen im Lüneburger Kalkbruchsee fragte mein Tauchlehrer Magdi mich, ob ich nicht mit ihnen zum Tauchen im Roten Meer nach Ägypten fliegen wolle. Ich war zunächst etwas erstaunt und fragte, ob das denn alles ginge, so mit Rolli und so… Magdi wischte in einer Sekunde all meine Zweifel, dass dies nicht möglich sein könnte, weg. Die Tauchschule bot mehrmals im Jahr Tauchreisen an. Und es war absolut selbstverständlich, dass ich als Rollifahrer daran teilnehmen konnte. Zum ersten Mal erlebte ich das große Geschenk, als Mensch mit Handicap ganz selbstverständlich ein Teil der Gruppe zu sein, hier gab es glücklicherweise keine speziellen Reisen extra für Menschen mit Handicap. Die Selbstverständlichkeit, mit der ich in der Tauchschule und auf den Reisen überall dabei war, hat mich begeistert und nachhaltig geprägt. Habe ich hier doch deutlich gespürt, dass ich mit Handicap genauso wertvoll bin wie jeder andere Mensch auch. 

Meine erste Tauchreise führte mich mit 14 anderen Tauchern zusammen in ein Hüttendorf in der Nähe von Marsa Alam. 13 Fußgänger und zwei Rollifahrer mitten in der Wüste – das Abenteuer begann! Barrierefreiheit war ein Fremdwort in diesem Dorf, wir wohnten in spärlichen Bambushütten und was nicht passte wurde passend gemacht. Und ich habe eine wichtige Erfahrung gemacht: weniger Komfort bedeutet sehr häufig auch weniger Barrieren :-). Wenn die Hütte keine Eingangstür hat, sondern stattdessen ein großes Loch mit einem Vorhang, dann ist die Sorge über zu schmale Türen völlig überflüssig ;-). Und so ein Vorhang bewegt sich im Wind und ist nie ‚ganz zu‘, was den großen Vorteil hat, dass ich gleich beim Aufwachen von der Sonne angestrahlt wurde und sobald ich die Augen öffnete, auf das glitzernde Meer schauen konnte. Für die Stufe vor der Hütte zimmerten die Mitarbeiter des Dorfes kurzerhand eine Rampe. Die Hilfsbereitschaft der Ägypter war überwältigend, ich fühlte mich wie eine Königin. Oft brauchte ich nur die Hütte verlassen und sofort stand einer der Mitarbeiter parat, um mich zu unserem Treffpunkt zu bringen. Wir trafen uns zum Essen, Reden, usw. in einem Zelt (der Ausdruck ist allerdings auch schon übertrieben), mit lauter Polstern auf dem Boden. Wir lebten hier ähnlich wie die Beduinen – einfach herrlich! Die Schwierigkeit, mit dem Rolli durch den Wüstensand zur Tauchbasis direkt am Meer zu gelangen, wurde kurzerhand mit einem ‚Donkey-Taxi‘ gelöst. Ein Esel wurde vor einen Karren gespannt, mit dem ich dann immer vom Dorf zur Tauchbasis und zurück chauffiert wurde. Das war ein Spaß!

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Die Tatsache, dass wir als Rollifahrer deutlich in der Minderheit waren, sorgte dafür, dass es überhaupt keine Schwierigkeiten gab, wenn ich einmal Unterstützung brauchte. Es verteilte sich auf viele Schultern und ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, eine Belastung zu sein. Ich war ein Teil der Reisegruppe wie jeder andere auch und wir hatten zusammen eine Menge Spaß, haben nicht nur großartige Tauchgänge erlebt, sondern auch großartige Abende mit ganz viel Bauchweh vor lauter Lachen :-D. 

Als besonderes Highlight wird mir immer unsere Nacht in der Wüste in Erinnerung bleiben. Wir planten, abends nach dem Tauchen tiefer in die Wüste zu fahren und dort unter freiem Himmel zu übernachten. Das erste Mal erlebte ich, dass Magdi Bedenken hatte, ob es für mich möglich wäre dabei zu sein, da es dort natürlich kein WC geben würde. Doch ich hatte schnell eine Lösung für mein Toilettenproblem auf Lager, mein Toilettenstuhl reiste einfach mit in die Wüste und war zu späterer Stunde und nach entsprechendem Getränkekonsum auch bei den anderen sehr beliebt ;-). 

Nach unserer Ankunft in der Wüste genossen wir zunächst den überwältigenden Sonnenuntergang (da Ägypten recht nah am Äquator liegt, geht die Sonne um 6 Uhr auf und um 18 Uhr wieder unter). Währenddessen hatte der Koch, der uns aus dem Dorf ‚mitgegeben‘ wurde, bereits eine Feuerstelle eingerichtet und zauberte uns ein wundervolles Abendessen. Nachdem wir lecker gegessen hatten, wurde bei dem ein oder anderen guten Drink bis in die Nacht gequatscht. Irgendwann haben wir uns dann in Teppiche eingerollt und geschlafen. Unter dem Sternenzelt einzuschlafen, war unbeschreiblich. Ich habe noch nie in meinem Leben so viele funkelnden Sterne gesehen, alles war schwarz, nur der Mond und die Sterne strahlten. Aufgrund der Tatsache, dass der nächste Ort viele Kilometer entfernt war und daher keinerlei störende Lichtquellen die Aussicht in den Himmel beeinträchtigten, erlebte ich den genialsten Sternenhimmel meines Lebens!  So viele funkelnde Sterne – unbeschreiblich… 

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Diese Nacht wird mir ganz sicher für immer in Erinnerung bleiben. Es war einfach ein großartiges, wundervolles, gigantisches Erlebnis… Denn in diesem Erlebnis hat sich all das widergespiegelt, was diese Reise für mich bedeutet hat. Die Taucherlebnisse waren zweifellos wunderschön und ich habe erleben dürfen, was es heisst, im hier und jetzt zu sein und einfach nur zu genießen, zu schweben. Und doch war diese Reise noch viel mehr. Die Unbeschwertheit, die Lebensfreude, die Zugehörigkeit, das Geschenk, ein Teil von etwas zu sein, angenommen zu sein und lauter verrückte Dinge zu tun (die für Rollifahrer eher nicht normal sind ;-))!

Diese Reise ist mittlerweile 14 Jahre her und jetzt gerade beim Schreiben merke ich, wie bedeutsam diese Erlebnisse und Erfahrungen für mein weiteres Leben waren. Damals wurde der Grundstein gelegt für meine Überzeugung, dass ALLES möglich ist und das meine Behinderung noch lange kein Grund ist, auf ein geniales Leben zu verzichten. 

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Und es blieb nicht meine letzte Reise nach Ägypten! Im darauf folgenden Jahr fuhr wieder mit in das Dorf in der Nähe von Marsa Alam. Dieses Mal hatte ich meinen Großvater ‚im Gepäck‘. Er war so begeistert von meinen Fotos und Erzählungen, dass er das unbedingt mit eigenen Augen sehen wollte. Kurz nach seinem 80. Geburtstag begaben wir uns auf die Reise, die mir sicher für immer in unvergesslicher Erinnerung bleiben wird. Wer kann schon sagen, dass er mit seinem Opa in der Wüste Urlaub gemacht hat? Opa war in der Gruppe überaus beliebt und alle schätzten seine humorvolle Art. Er wurde liebevoll Opa genannt und hat es sichtlich genossen, mit so vielen jungen Leuten unterwegs zu sein. 

Knapp zehn Jahre später, wenige Monate vor seinem 90. Geburtstag war uns allen klar, dass die Zeit des Abschiednehmens näher rückte. Das Reden fiel ihm schwerer und wir überlegten uns, gemeinsam ein Video zu schauen – von unserer gemeinsamen Ägyptenreise. Und beim Schauen des Videos blühte Opa sichtlich auf, er erinnerte sich an viele Begebenheiten auf der Reise (z.B. den Kamelritt in der Wüste) und die Menschen, mit denen wir viel Zeit verbracht hatten. Es war unser letzter gemeinsamer Tag bevor Opa wenige Tage später für immer einschlief. Für mich hätte der Abschied nicht schöner sein können… 

Ich unternahm in den folgenden Jahren weitere Tauchreisen, über die ich sicher auch noch berichten werde. Doch die allererste Tauchreise wird mir immer in besonderer Erinnerung bleiben. Ich bin Magdi und Martina sehr dankbar, dass sie mir diese Erfahrungen ermöglicht haben und ich in jedem Moment erleben durfte, dass es überhaupt keine Rolle spielte, ob ich im Rolli saß oder nicht. Ich gehörte ganz selbstverständlich dazu und all das ohne großes Tamtam. Magdi und Martina, Ihr habt das einfach gelebt, was heute Inklusion genannt wird (und damit ja ungewollt auch wieder eine ‚Sonderrolle’ installiert) und ich bin froh, dass es in Eurem Wortschatz diese Bezeichnungen einfach nicht gab. Danke für diese großartigen Erlebnisse, die für mein Leben definitiv einen Unterschied gemacht haben! Ihr habt mir in zu Beginn meiner neuen Lebensphase gezeigt, dass ALLES möglich ist und wir gemeinsam immer einen Weg finden werden. Eine Person möchte ich nicht vergessen! Danke an meinen ersten Tauchpartner, meinen Buddy Björn – mit Dir habe ich die unglaubliche Schönheit der Unterwasserwelt im Roten Meer entdeckt. Danke für Deine Ruhe und Dein Vertrauen! 

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Es folgten weitere Reisen mit tollen Abenteuern und es gab eine Reihe Menschen, die dazu beigetragen haben, dass dies möglich wurde. Danke!

Erinnerst Du Dich auch an besondere Erlebnisse, die im Nachhinein betrachtet für Dein weiteres Leben einen Unterschied gemacht haben? Ich freue mich immer sehr darüber, solche Momente wieder hervorzuholen, sie in Gedanken noch einmal zu erleben und  dankbar zu sein…

Alles Liebe, bleibt fröhlich, 

Eure Ela 

P.S. Magdi und Martina betreiben nun schon seit mehr als 10 Jahren eine Tauschule in Hurghada. Mir fällt gerade auf, dass mein letzter Besuch im Ilios Dive Club schon viel zu lange her ist…

Glaub nicht alles, was Du denkst!

Wie viele Menschen erzählen mir, was alles nicht geht… Das sind ihre Gedanken, die ihnen Grenzen setzen. Und gleichzeitig mein Ansporn, denn für mich gibt es (fast) kein ‚geht nicht‘. Wie viele Abenteuer durfte ich  schon erleben und genießen, die mir bewiesen haben, dass ich richtig liege mit meinen Gedanken.

So leicht es mir fällt, Gedanken über Grenzen hinsichtlich meiner Möglichkeiten Abenteuer zu erleben, umzulenken und daraus Pläne wachsen zu lassen, um so schwerer fällt es mir in anderen Bereichen meines Lebens. Gerade habe ich für mich erkannt, dass ich mir in anderen Lebensbereichen mit meinen Gedanken durchaus Grenzen setze. 

In diesen Momenten denke ich nun immer häufiger an Byron Katie, die den Satz geprägt hat „Glaub nicht alles was Du denkst!“. Wie recht sie hat. Die Sache mit den Glaubenssätzen. Unsere Glaubenssätze erscheinen uns wahr. Wir haben sie so verinnerlicht und leben nach ihnen, ohne sie zu hinterfragen. Sie beeinflussen unsere Gedanken und unser Handeln. Wie viele Jahre habe ich mit dem Gedanken gelebt, dass ich aufgrund meines Handicaps nichts wert bin? Viel zu viele! Ich habe es geglaubt, unbewusst permanent nach Beweisen für meine Annahme gesucht und gleichzeitig alles gegeben, um das Gegenteil zu beweisen. 

Ich habe mich abgearbeitet in Freundschaften und Ehrenämtern, nur um zu beweisen, dass ich etwas wert bin. Ich war der festen Überzeugung, dass ich die Gesellschaft nur mit meiner Leistung davon überzeugen kann, dass ich trotz meines Handicaps wertvoll bin. Doch das Gefühl, etwas wert zu sein, stellte sich einfach nicht ein. Kein Wunder, wie soll ich die Wertschätzung anderer annehmen, wenn ich mich selbst nicht annehmen und wertschätzen kann? Und mit dem Fokus darauf, immer wieder ‚Beweise‘ zu finden, dass ich aufgrund meiner Behinderung nicht anerkannt werde, stellt sich das Gefühl auch nicht ein. Und natürlich gab es Menschen, die mir Beweise lieferten, die genau diese Gedanken bestätigten. Sei es der Sachbearbeiter bei der Krankenkasse, der mir mit seiner Ablehnung meines Antrages auf einen neuen Rollstuhl mit guter Ausstattung mitteilt, sie seien lediglich dafür zuständig, dass ich mich 500 m von zu Hause wegbewegen kann, mehr stehe mir nicht zu. Oder die Firma, bei der ich mich bewarb und die mir meine Bewerbung zurück schickten, ich mein eigenes Anschreiben in den Händen hielt und sah, dass der Hinweis auf meine Behinderung dick unterstrichen wurde. Die  Situationen, in denen ich auch in meinem unmittelbaren Umfeld erfahren habe, dass ich ja froh sein könne, wenn ich trotz Handicap eine Arbeit, einen Partner, usw. finden würde, kann und will ich nicht zählen.  

Ich könnte unzählige weitere Beispiele nennen, habe ich doch viele Jahre fleißig Beweise gesammelt, die mich in der Annahme bestätigen, nicht wertvoll zu sein. Heute erkenne ich, dass das Verhalten und die Aussagen mehr über die jeweilige Personen aussagen, als über mich. Und dass es ihre BeWERTung ist. Doch wer entscheidet über den Wert eines jeden einzelnen? 

Ich habe viel darüber nachgedacht und für mich entschieden, dass ich wertvoll bin, völlig unabhängig von äußeren Umständen. Ich habe mich für mich entschieden und suche nicht mehr nach Beweisen, die mir das Gegenteil belegen. 

Diese Entscheidung FÜR MICH hat so viel spannende Dinge zur Folge. Seit dem Moment, in dem ich mich entschieden habe, mich um meiner selbst Willen anzuerkennen und meinen Wert nicht länger über Leistung zu definieren, pflege ich nicht nur einen liebevolleren Umgang mit mir selbst und habe ein deutlich entspannteres Leben, es erreichen mich auch viele wertschätzende Worte und Gesten. 

Und so langsam finde ich immer mehr heraus, dass ich mit meinen Gedanken nicht nur nach Beweisen für blöde Glaubenssätze suchen oder diese entlarven und gegensteuern, sondern ganz viele wundervolle Dinge tun kann: mir neue Abenteuer ausdenken, Perspektiven und Möglichkeiten erkennen, Pläne schmieden, gut über mich und andere denken, … Meine Gedanken können so viel mehr, als ich ihnen bisher zugetraut habe! Sie können mich beflügeln! 

Wie beschäftigst Du Deine Gedanken? 

Du bist dort wo Deine Gedanken sind. Sorge dafür, dass Deine Gedanken da sind, wo Du sein möchtest! 

Alles Liebe, bleibt fröhlich, 

Eure Ela

#8 – Mit dem Wind als ‚Motor’…

In 20 Jahren wirst du mehr enttäuscht sein über die Dinge, die du nicht getan hast, als über die Dinge, die Du getan hast. Also löse die Knoten, laufe aus dem sicheren Hafen aus und erfasse mit deinen Segeln die Winde.  – Mark Twain –

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Die letzten Wochen war es recht ruhig auf meinem Blog. Das hatte einen guten Grund! Ich war viel unterwegs, habe jede Menge erlebt und so auch reichlich Stoff für viele künftige Blogposts mitgebracht :-D. Heute nehme ich Euch wieder mit aufs Wasser ;-)… 

Eine Woche lang war ich mit der Lutgerdina segeln. Ein großartiges Erlebnis, nachdem ich mich schon sehr lange gesehnt hatte. Als Kind bin ich öfter mit meinem Onkel auf der Maas in Holland gesegelt, als junge Erwachsene war ich mit Freunden für eine Woche auf einem größeren Segelschiff in Zeeland unterwegs. Ich habe diese Zeiten immer sehr genossen und als absoluter Wasserfan hegte ich schon lange den Wunsch, dieses Abenteuer erneut zu erleben, nun mit Rolli. 

Segelboote und Barrierefreiheit sind nun nicht unbedingt eine gewöhnliche Kombination… Einige Jahre war dieser Wunsch schon in meinem Hinterkopf, bis mich letztes Jahr die Segel-Sehnsucht endgültig packte und ich nicht länger warten wollte… Einige Wochen habe ich fleißig recherchiert. Ich mag es ja gerne so ‚unbehindert‘ wie möglich. Ein Fan von Gruppenreisen nur mit anderen Menschen mit Behinderung war ich noch nie. Ich dachte mir, so viel Behinderung auf einen Haufen, das könne nicht gut gehen und es erschien mir auch zu langweilig ;-). Zudem hatte ich, immer wenn ich mal mit mehreren Menschen mit Behinderung zusammen war, die Erfahrung gemacht, dass doch bei vielen Menschen der Jammerfaktor eine große Rolle in ihrem Leben spielt und das einzige Gesprächsthema oft war, wie schlecht es uns Behinderten doch geht, wie schwer alles ist und überhaupt sei das Leben ja nur schrecklich. Wer mich kennt weiß, dass dies überhaupt nicht meinem Stil entspricht und ich mich viel lieber auf das konzentriere, was alles möglich ist, mein Leben genieße und einfach gerne Spaß habe. Daher habe ich mich lange gesträubt, überhaupt den Gedanken zuzulassen, dass eine Segelreise mit einem barrierefreien Schiff und anderen Menschen mit einem Handicap eine gute Lösung wäre, um mir meinen Wunsch zu erfüllen. Insgeheim hatte ich gehofft, dass es eine Möglichkeit gibt, mit Fußgängern auf einem ganz normalen Schiff, dass groß genug ist, damit ich mit Rolli drauf passe, eine Reise zu unternehmen. So mag ich es am liebsten und kenne es ja auch von meinen Tauchreisen (über die ich an anderer Stelle noch berichten werde) und bin aus dieser Zeit natürlich sehr verwöhnt. 

In dieser Zeit der Recherche realisierte ich noch einmal, wie wertvoll diese Erlebnisse waren, die meine Tauchfreunde mir damals geschenkt haben. Unser Tauchlehrer war ein großartiges Vorbild in Sachen Inklusion, obwohl es das Wort zu dieser Zeit noch nicht einmal gab ;-). Es war selbstverständlich, dass ich in einer Gruppe mit lauter Fußgängern als Rollifahrerin dabei war und was nicht passte, wurde passend gemacht. Diese Erlebnisse in der Anfangszeit meiner ‚Rolli-Karriere‘ haben mir so viel Mut gemacht und letztendlich auch den Anstoss gegeben, meine Abenteuerlust zu leben, weil eben alles möglich ist. 

Nun wollte ich unbedingt wieder einmal Segeln und es tat sich einfach keine Möglichkeit auf, dies in einer Gruppe zu erleben, so wie ich es vom tauchen kannte. Nun dachte ich erstmals ernsthaft darüber nach, eine Gruppenreise in Erwägung zu ziehen. Ich überlegte mir, dass die Menschen mit Handicap, die Segeln gehen, was ja nun nicht gerade alltäglich ist, bestimmt genauso bekloppt seien würden, wie ich mit meiner unbändigen Neugier auf neue Abenteuer, denn so ein Segeltörn ist ja schließlich nichts für Stubenhocker und Jammerlappen ;-). Mit der niederländischen Organisation Sailwise fand ich den für mich idealen Anbieter. Von April bis Oktober bieten sie mit der Lutgerdina Segelreisen ab Enkhuizen/Ijsselmeer an. Damit es auch bestimmt nicht langweilig wird, habe ich mich für dieses holländische Angebot entschieden. So würde ich auch gleichzeitig gefordert sein, meine Niederländischkenntnisse weiter zu verbessern, Segeln alleine war ja noch nicht aufregend genug ;-). 

Wenn ich heute an die Reise zurück denke, erinnere ich mich gerne an das Segeln, die Atmosphäre auf dem Wasser, die Menschen an Bord und die schöne Landschaft. Vor allem aber habe ich viele eindrückliche Erlebnisse und Erkenntnisse mitgebracht, die mich verändert haben und sicher noch lange nachwirken werden. So ist dies kein typischer Reisebericht, auch wenn ich natürlich gerne ein bisschen davon erzählen, wo wir gesegelt sind und was wir gesehen und erlebt haben. In erster Linie wird es aber ein sehr persönlicher Bericht, denn diese Reise hat das bestätigt, was ich schon in einem meiner vorherigen Blogposts (#5) geschrieben hatte. Kein Mensch kehrt von einer Reise zurück, wie er weggefahren ist…

Die Vorfreude aufs Segeln stieg mit jedem Tag, den die Reise näher rückte… Ich konnte es kaum erwarten, dass es endlich losgeht… Auf dem Weg zum Schiff erlebte ich mit der Überquerung des Ijsselmeeres schon das erste beeindruckende Szenario. Von Lelystad aus führt eine fast 30 km lange Straße mitten durchs Meer nach Enkhuizen. Es ist nur die Straße, die auf einem gebauten Deich durchs Meer führt, ein irres Gefühl, quasi direkt auf dem Wasser zu fahren. 

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Umso ernüchternder war meine Ankunft auf der Lutgerdina im Heimathafen in Enkhuizen… Zwar wurde ich sehr herzlich von den Freiwilligen und der Crew empfangen, doch Ich gebe ehrlich zu, dass ich bei meiner Ankunft  überrascht war, nein ehrlich gesagt, sogar ein bisschen schockiert. Ich hatte einfach nicht damit gerechnet, dass die Handicaps der meisten Reisegefährten deutlich stärker ausgeprägt sein würden, als meine eigenen. Es ist nicht gerade schmeichelhaft für mich, doch ich gebe zu, dass ich tatsächlich Vorurteile hatte und zunächst nicht wusste, wie ich damit umgehen soll, obwohl ich ja einige Jahre mit Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen gearbeitet und grundsätzlich überhaupt keine Berührungsängste habe. 

Aus heutiger Sicht war mein Problem wohl viel mehr, dass ich ‚eine von denen war’. Ich tat mich offenbar sehr schwer, anzunehmen, dass ich nicht ohne Grund eine Reise auf diesem barrierefreien Schiff gebucht hatte. In dem Moment versuchte ich, es mir ein bisschen schön zu reden, in dem ich mir sagte, ich sei ja zum Segeln hier und bräuchte ja nicht unbedingt mit den anderen zu viel zu tun haben. Wer schon einmal eine Woche lang Tag und Nacht mit anderen Menschen auf einem Boot war, weiß, dass dieser Plan natürlich nicht aufging ;-). 

Und das war auch gut so. Ich ärgere mich sehr oft darüber, dass ich aufgrund meiner Behinderung unterschätzt werde. Und diese Situation hielt mir einen Spiegel vor, denn ich tat in diesem Moment nichts anderes, als die anderen Menschen nur nach dem ersten Eindruck, äußeren Umständen und meinen eigenen Gedanken zu beurteilen – und das ist einfach nur unfair. So bin ich sehr dankbar, dass ich während der Woche ganz tolle Erlebnisse mit meinen Mitseglern erleben, mit ihnen viel Spaß haben und die individuellen Talente eines jeden Einzelnen kennen-  und schätzen lernen durfte. So habe ich selbst am allermeisten aus dieser Erfahrung gelernt. Ich möchte nicht aufgrund eines erstens äußerlichen Eindrucks in eine Schublade gesteckt werden und genau das werde ich mit anderen Menschen in Zukunft genauso wenig tun. So war diese Woche nicht nur in Sachen Segeln spannend und lehrreich. 

Nachdem am Nachmittag alle Teilnehmer eingeschifft hatten, starteten wir von Enkhuizen aus auf das Ijsselmeer und segelten einige Stunden Richtung Waddenzee. Die erste Nacht verbrachten wir vor Anker in Höhe von Mirns und wurden zum Tagesabschluss mit einem großartigen Sonnenuntergang verwöhnt.

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Am zweiten Tag ging es dann weiter Richtung Waddenzee. Gleich zu Beginn der Reise erlebte ich mein persönliches Highlight. Mit Unterstützung von Jafeth und Hilde ‚kletterte‘ ich ins Klüvernetz, um die Seile vom Klüversegel zu lösen. In diesem Moment spürte ich das erste Mal, was die Segelreisen mit Sailwise zu etwas ganz Besonderem machen. Es ist keine ‚Ausfahrt‘, zu der Menschen mit Handicap gnädigerweise mitgenommen werden. Wir dürfen und sollen uns voll einbringen und die Crew und Freiwilligen unterstützen uns, soweit nötig, damit wir ALLES machen können, was beim Segeln zu tun ist. Auch wenn es mal etwas länger dauert oder kreative Lösungen gefragt sind: Geht nicht gibt es hier wirklich nicht! Die Lutgerdina wird von allen gemeinsam gesegelt!  

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Gegen Abend erreichten wir die Nordsee (Waddenzee auf Niederländisch) und übernachteten im Hafen des schnuckeligen Städtchens Harlingen. Der dritte Tag bescherte uns dann allerbestes Segelwetter (Sonne UND Wind), das nutzen wir natürlich aus und segelten unter den Inseln Terschelling und Ameland entlang bis in die späten Abendstunden. Die Nacht verbrachten wir vor Schiermonnikoog vor Anker und starteten am nächsten morgen Richtung Lauwersmeer, das wir durchsegelten und von dort aus die Kanäle Frieslands erreichten. Bei allerbestem Sommerwetter genossen wir die niederländische Landschaft, während wir ganz entspannt durch den Kanal Richtung Dokkum segelten. Hier genossen wir ein gemütliches Abendessen in einem tollen Restaurant und blieben die Nacht im Hafen, bevor es am nächsten Tag entspannt weiterging über Leeuwarden nach Franeker. Auch dieses zauberhafte Städtchen hat mich in meiner Liebe zu Holland wieder ein mal bestätigt. Ich hoffe, ich kann Euch mit meinen Bildern ein bisschen von der besonderen Atmosphäre vermitteln. 

Am nächsten Tag ging es dann via Harlingen zunächst zurück auf die Waddenzee und dann gleich durch die Schleuse Kornwerderzand zurück aufs Ijsselmeer. Unsere Reise neigte sich nun bereits dem Ende entgegen und so mussten wir langsam daran denken, den Heimathafen wieder ins Visier zu nehmen. An diesem vorletzten Tag hatte ich die Ehre Steuerfrau zu sein und ich habe wohl einen guten Job gemacht, denn wir sind ohne Kollisionen in Stavoren angekommen ;-). Am Abend ankerten wir zunächst vor der Küste, um unseren letzten gemeinsamen Abend würdig mit einem Grillfest an Bord zu begehen. Mit einigen anderen habe ich mich dann noch von Bord in die Fluten gestürzt und es genossen, die Lutgerdina zu ‚umschwimmen‘ und das Schiff vom Wasser aus zu sehen. Dank der großartigen Crew war auch der Weg zurück an Bord kein Problem. Uns allen wurden an diesem Abend noch einmal unvergessliche Erlebnisse geschenkt. Wer nicht schwimmen mochte, wurde von Jafeth mit dem Speedboat spazieren gefahren. Ungeachtet der körperlichen Beeinträchtigungen wurde es jedem ermöglicht, diese Erfahrungen zu machen. 

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Wir alle erlebten ein Stück neue Freiheit in diesen Tagen und ich denke, dass nicht nur mir diese Reise großartige Erlebnisse und neue Lebensqualität geschenkt hat. Nach einem letzten Frühstück an Deck bei strahlend blauem Himmel, ging es am nächsten Tag von Stavoren aus in den Heimathafen Enkhuizen. Den letzten Segeltag genoss ich bei bestem Wind noch einmal in vollen Zügen – wer weiß, wie lange ich auf mein nächstes Segelabenteuer warten muss… Hoffentlich nicht allzu lange…

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Ich liebe es auf dem Meer zu sein und mir den Wind um die Nase pusten zu lassen. Und wenn dieser Wind dann auch noch der ‚Motor‘ ist, mit dem wir uns fortbewegen, ist das eine unbeschreibliche Atmosphäre, die ich sehr gerne schon ganz bald und in Zukunft häufiger erleben möchte! Vielleicht erfüllt sich mein Traum von einer Segelreise mit Fußgängern ja noch… Das würde das Abenteuerpotenzial für mich dann nochmal ordentlich steigern, da ich mich nicht auf die hundertprozentige Barrierefreiheit verlassen, sondern mir selber wieder kreative Lösungen einfallen lassen kann :-). Ich bin bereit :-D! 

Neben all diesen wundervollen Erlebnissen nehme ich noch etwas mit zurück in meinen Alltag! Ich vermute, in keiner Woche meines Lebens habe ich bisher so viele aufbauende, wertschätzende, einfach positive Worte gehört. Es ist mir schon oft aufgefallen, wenn ich mit meinen niederländischen Freunden zusammen war und in dieser Woche noch einmal ganz besonders… Ich hätte mitzählen sollen, wie oft am Tag ich „prachtig“, „leuk“ und „geweldig“ gehört habe. Wie oft am Tag sprichst Du aus, dass Dir etwas gefällt, Du es großartig oder einfach nur schön findest? Ich möchte in meinem Leben den Fokus auf die guten, schönen, wundervollen und großartigen Momente und Dinge legen und diese teilen! Macht mit! Lasst es uns gemeinsam tun, uns gegenseitig auf die schönen Dinge des Lebens aufmerksam machen! Im Kleinen fängt es an und entfacht eine große Wirkung! Sei dabei! 

Alles Liebe, bleibt fröhlich, 

Eure Ela

P.S. Ein riesiges Dankeschön möchte ich an dieser Stelle der großartigen Crew der Lutgerdina aussprechen:  Arjen, Jafeth und Stephan – Ihr macht einen Unterschied! Und ganz besonderen Dank an Karin, Monique, Elly, Pum, Hilde, Ellen und Annemiek, Ihr habt uns Eure freie Zeit für dieses unvergessliche Erlebnis geschenkt – DANKE! 

Mehr über Sailwise: Die niederländische Organisation Sailwise bietet seit mehr als 40 Jahren Wassersportaktivitäten für Menschen mit einem Handicap an. Der Fokus liegt immer auf den Möglichkeiten, nie auf den Einschränkungen! Für alle, die mehr erfahren möchten, empfehle ich die Webseite, die auch in deutscher Sprache verfügbar ist: https://sailwise.nl/de.